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Kennst du diese Situation? Du arbeitest schon eine geraume Zeit an deinen Problemen und an dir selbst und verflixt nochmal, sie verschwinden nicht. Es ist so, als wärst du den Weg schon mehrmals gegangen und immer wieder an derselben Stelle fällst du in das Loch, das im Boden ist. Es ist wie verhext, denn du siehst sogar das Loch vor dir und zack, bist du drin. Doch stimmt das wirklich?

Gibt es Probleme?

Zunächst möchte ich einen Hinweis geben, warum ich lieber von Themen als von Problemen spreche. Themen sind neutral, dagegen liegt bei dem Begriff „Problem“ immer eine Bewertung vor. Da ist etwas, was wir so nicht haben und annehmen wollen. Gerade in Bezug auf die Selbst-Ent-Wicklung führt dies zu etwas, was es gilt zu überwinden. Wenn wir einen Teil von uns als schlecht bewerten, so nehmen wir diesen Teil von uns nicht an, sondern wollen ihn loswerden. Doch dabei geht es genau um das Gegenteilige: um die Annahme. Selbstliebe zum Beispiel bedeutet, jeden Aspekt seines Selbst vollkommen anzunehmen. Das Göttliche selbst bewertet nie, denn durch die Bewertung entsteht Trennung. Wie könnte auch irgendetwas nicht richtig sein, wenn es göttlich ist????

Heilung geschieht durch Annahme

Ich spüre gerade deine Einwände und viele Fragezeichen. Dann gibt es ja gar nichts mehr, an dem wir arbeiten müssten, nichts was es zu heilen gibt! Nun, Heilung heißt genau das: Alles anzunehmen, zu integrieren und in Liebe dazu zu sein. Und „müssen“ tun wir alle nicht. Es gibt da niemanden da draußen, der uns vorschreibt, dass wir müssen. Doch solange wir nicht erleuchtet und geheilt sind, werden wir eben ganz menschlich auf Dinge reagieren und der eine oder andere wird mehr oder weniger das Bedürfnis haben, das, worauf er stark emotional reagiert, in Frieden zu bringen. Starke Reaktionen wie „sich gekränkt oder verletzt zu fühlen“, „wütend oder zutiefst traurig zu sein“ usw. geben immer Hinweise auf Themen, die noch nicht angenommen wurden. Dann gibt es aus meiner Sicht etwas zu heilen. Und zwar bei sich selbst und nicht bei dem anderen! Nicht der andere hat dich verletzt, sondern du hast dich mit seinem Verhalten antriggern lassen. Aber das ist ein ganz anderes Thema, was ich gerne zu einem späteren Zeitpunkt erörtern möchte. An dieser Stelle soll der Hinweis vorerst reichen.

Wir gehen den Weg der Ent-Wicklung, Schicht um Schicht

Ent-Wicklung ist ein ganz wunderschöner Begriff, der das Bild in uns entstehen lässt, dass etwas ausgepackt wird und zwar in Schichten. Und was genau wird hier ausgepackt? Es ist dein wahres Selbst, das im Lauf der Sozialisation durch die verschiedensten Ich-Identifikationen überdeckt wurde. Es sind all die Glaubenssätze von der Welt, die wir in unserer Erziehung von unseren Eltern und der Gesellschaft übergestülpt bekommen haben. Es sind all unsere Fehlinterpretationen, die wir in den diversen Situationen und Traumata gemacht haben. Und um unser wahres Sein wieder zu entdecken gilt es, all das Schicht um Schicht wieder abzutragen.

Alles passiert in der richtigen Geschwindigkeit

Du kannst dir das so vorstellen: Du gehst in deiner Ent-Wicklung eine Wendeltreppe hoch, die von einer Mauer umgeben ist. Die Wendeltreppe steht nun symbolisch für die Entwicklung in Bezug auf ein konkretes Thema. Auf jeder Ebene befindet sich ein Fenster, aus dem du herausschauen kannst. Während du die Treppe in deinem Tempo hochgehst, bemerkst du das Fenster und schaust durch und gehst dann weiter hoch. Auf der nächsten Ebene schaust du wieder durch ein Fenster. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hättest du dich nicht bewegt, denn das Bild (= Thema), was du draußen wahrnimmst, sieht fast genauso aus. Aber eben nur fast! Denn der Ausblick hat sich tatsächlich verändert. Je höher du steigst, desto mehr wird die Veränderung auch für dich sichtbar. Bezogen auf ein Thema von dir, an dem du schon einmal gearbeitet hast, heißt das, dass du bereits eine Schicht abgetragen hast. Du wirst immer nur so viel bearbeiten können, wie es deine Seele in dem Moment zulässt und sie weiß genau, was dein Ich, dein Ego in dem Moment verkraften kann. Deswegen haben wir so oft das Gefühl, überhaupt nicht weitergekommen zu sein. Doch in Wirklichkeit kommst du jedes Mal einen Schritt weiter. Bei tiefen Verletzungen benötigt es dann eben durchaus ein paar Wiederholungen.

Themen sind facettenreich, wie das Leben an sich

Darüber hinaus besteht ein „Problem“ selten nur aus einem Aspekt. Irgendwann entstand in der Kindheit beispielsweise ein Riss in deinem Vertrauen. Deine Bedürfnisse wurden nicht befriedigt und so hattest du vielleicht die Annahme aufgebaut, dass du nicht liebenswürdig bist. Es ereignen sich immer weitere Erfahrungen und dein Ego bestätigt dir immer wieder, dass du nicht liebenswürdig bist. Das sind dann all die Aspekte, die bei der Ent-Wicklung aufploppen können. Doch keine Angst, falls du nun das Gefühl hast, dass es bei bestimmten Themen eine Never-Ending-Story ist. Meine Erfahrung ist, dass Heilung oft auch automatisch passiert, wenn wir in unserer Bewusstseins-Entwicklung voranschreiten. Denn wenn wir einem Umstand bewusst geworden sind, so können wir auch neue Entscheidungen treffen und auf ähnliche Situationen, die früher noch dieselben Emotionen ausgelöst hätten, anders reagieren.

Heilung besteht aus 4 Schritten!

Es kann auch durchaus sein, dass du einen Schritt vergessen hast, als du das Thema angeschaut hast. Denn Heilung besteht immer aus vier Schritten: Erkennen – Annehmen – Heilung = Integration – Umsetzen. Zunächst musst du erst mal erkennen, dass du mit einer Geschichte, mit einer Erfahrung noch im Unreinen bist. Gerade Menschen, die sich auf ihrem Weg der Bewusstwerdung befinden, haben häufig das Gefühl, plötzlich nur noch voll mit Problemen zu sein, dass die Probleme eher mehr als weniger werden. Das hat einen ganz einfachen Hintergrund. Bis zu einer bestimmten Stufe erkennt man schlichtweg nicht, dass da etwas unheil ist, weil es verdrängt wird. Wir wurden in unserer Erziehung dahingehend konditioniert, dass etwas nicht da ist, wenn man es verdrängt und verleugnet. Doch wenn man irgendwann initiiert wird, sich seine Themen anzuschauen, werden wir plötzlich dem gewahr, was vorher verdrängt war. Der zweite Schritt ist dann die Annahme, mit der bereits auch die Heilung beginnt. Wie oben angedeutet geht es niemals darum, etwas auszuschließen, sondern einzuschließen und dafür muss ich das Thema erst mal annehmen. Wie Byron Katie immer so schön in ihrer Arbeit sagt: lieben was ist. Solange ich über das Wetter schimpfe, habe ich ein „Problem“ mit dem Wetter. Doch das Wetter ist nicht böse, sondern es ist einfach. Und das gilt für alle Krisen in unserem Leben. Sie können sich erst dadurch verändern, wenn wir sie annehmen. Solange wir sie nur loshaben wollen, werden sie sich verstärken, denn alles, was uns in unserem Leben begegnet, enthält eine Botschaft. Das Außen muss uns zeigen, was im Innern noch unheil ist. Die Heilung selbst ist immer eine Integration. Viele denken, dass es darum geht, etwas aufzulösen. Doch dies ist wiederum nur ein Weg-haben-wollen. Egal welche Technik wir anwenden, entstehen echte Heilung und Frieden in uns nur dann, wenn wir die Ursprungssituation in uns als ein Teil unseres Wesens und unserer Geschichte angenommen haben. Und zuletzt bleibt die Umsetzung. Dies will ich an einem Beispiel erklären. Du hattest bisher vielleicht ein Thema damit gehabt, den richtigen Partner zu bekommen. Nun hast du dir alle Aspekte dazu angeschaut und wir nehmen an, dass du alles geheilt hast. Und nun sitzt du zuhause und wartest, dass ohne dein Zutun der Traummann oder die Traumfrau plötzlich bei dir klingelt. Wird wohl eher nicht passieren. Also: Das, was du erkannt hast, gehört natürlich auch im Alltag umgesetzt. 🙂

Alles hat seinen eigenen Rhythmus, sein eigenes Tempo

Und selbst wenn es so wäre, dass du noch auf derselben Stufe oder auf eine frühere Stufe zurückgefallen bist – dann ist das so und darf so auch sein. Aus der Gesamtperspektive gesehen sind wir mit jedem neuen Moment um eine Erfahrung reicher und nie derselbe, den wir einen Moment vorher waren. Und letztendlich hat alles sein eigenes Tempo und es ist nur unsere Ungeduld, wenn etwas für uns nicht schnell genug geht. Gehe bitte raus aus deiner Ver-ur-teilung (und damit Trennung) dir selbst gegenüber, dass du schon so viel weiter sein müsstest, da du doch schon so viel an dir gearbeitet hast. Erkenne in solchen Momenten dich selbst an, blicke in einem ruhigen Moment (wenn das Ego-Kreisen nicht zu stark ist) zurück und betrachte, was du tatsächlich schon alles gemeistert hast. Ich bin mir sicher, dass das viel ist! Mein letzter Hinweis für heute: Gönne dir auch mal eine Pause. Dein „System“ braucht auch Zeiten der Ruhe, um alles integrieren zu können. Außerdem musst du nicht permanent an dir arbeiten. Gerade in solchen Phasen, in denen man den Eindruck hat, überhaupt keinen Schritt voranzukommen, macht es einfach Sinn, sich selbst mal komplett so zu lassen, wie man ist. Denn du bist bereits so richtig wie du bist – mit all deinen Ecken und Kanten. <3