Die Rauhnächte – geheimnisvolle Zeit zwischen den Jahren

SCHOKOLADE & RITUALE

Die Rauhnächte haben in Europa eine lange Tradition. Unsere Vorfahren zogen sich in den heiligen Nächten in die Familie zurück. Sie ruhten mit der Arbeit und nutzten die Zeit zur Besinnung, um heilige Rituale durchzuführen, das alte Jahr loszulassen und sich auf das kommende Jahr einzustimmen. Es ist eine geheimnisvolle Übergangszeit, in der sich auch die Tore zu anderen Dimensionen öffnen. Es erlaubt uns, eine Vorahnung für das kommende Jahr zu bekommen und die Weichen positiv zu stellen. In den letzten Jahren blüht diese Tradition wieder auf…

Die Mythologie zu den Rauhnächten

Im Herbst wird es allmählich dunkler und die Natur zieht sich zur Regeneration zurück. Die Sonne erscheint zunehmend kürzer am Himmel und es wirkt so, als würde sie in die Dunkelheit hinabsteigen. Doch zur Wintersonnenwende wird das Licht wieder geboren. Verschiedene Sagen kreisen um das jährlich wiederholende kosmische Ereignis. Eine besagt, dass der nordische Göttervater Odin nach der Geburt des Lichtes 12 Tage und Nächte lang die Sonne jagt, gleichwohl die Dunkelheit bereits verloren hat. Die Rituale sollten in dieser harten Zeit, in der durch Kälte, Hunger und Raubzüge viele Gefahren lauerten, Mut, Kraft und Hoffnung gegeben werden.

Das Christentum übernimmt die Bräuche der Heiden

Es gibt verschiedene Namen zu den Rauhnächten und damit verbunden unterschiedliche Bräuche. So werden sie unter anderem auch als Weihnächte, Glöckelnächte und Wolfsnächte bezeichnet. Ursprünglich war es ein heidnisches Brauchtum, das insbesondere zu Ehren von Mutter Erde und ihrer Fruchtbarkeit gefeiert wurde. Es wurde vom Christentum umgewandelt und an die kirchlichen Zwecke angepasst. Der immergrüne Tannenbaum zum Beispiel, den wir heute vor allem als Christbaum kennen, war schon jeher ein Symbol des ewigen Lebens. So verwundert es nicht, dass die Rauhnächte mit der Weihnachtszeit zusammenfallen.

Dunkle Energien mögen keine sauberen Räume

Einer der Bräuche ist es, die Räume des Hauses und den Hof mit Kräutern auszuräuchern, um Dämonen zu vertreiben und die Infektionsgefahr zu reduzieren. So kennen viele die Zeit auch als Rauchnächte. Sehr sinnvoll ist es darüber hinaus, aufzuräumen, sich von Altem zu lösen und für Harmonie zu sorgen, denn Unordnung zieht schlechte Energie an. Gleichzeitig klärt das Aufräumen auch innerlich und es ist eine gute Zeit, sich seinen eigenen Schattenthemen zu stellen und mit der Vergangenheit in Frieden zu gehen.

Die Dimensions-Tore öffnen sich

In den Wochen zuvor werden wir bereits mit der Vergänglichkeit konfrontiert, indem die Blätter von den Bäumen fallen, die Zugvögel gen Süden fliegen und es allmählich dunkler, kühler und stiller wird. Wir begehen Allerheiligen, Buß- und Bettag und schließlich den Totensonntag. In der darauffolgenden „Zwischenzeit“ öffnen sich die Tore zu anderen Dimensionen, wie das Reich der Toten, der Naturwesen bis hin zu den Engeln und den kosmischen Reichen. Gerade feinfühlige Menschen nehmen die Zeit als besonders wahr.

Der Volksglaube besagt auch, dass nun die Geister Ausgang haben und wir besonders leicht das Raunen dieser Geister wahrnehmen und Ahnengespräche führen können. Außerdem ist die Zeit optimal, um uns mit den höheren Welten zu verbinden.

Die Orakel- und Loszeit

Laut einer Legende sind es die Nornen, die zu dieser Zeit die unsichtbaren Fäden für das kommende Jahr weben. Deshalb wird der Zeitraum von der Wintersonnenwende bis zu den Heiligen Drei Königen auch dazu genutzt, um zu orakeln und vorauszuschauen, was kommt. Dabei wird jeder Rauhnacht aufsteigend ein Monat des neuen Jahres zugeordnet.

Auch die Schamanen und Stammesführer zogen sich in dieser Zeit in die Einsamkeit zurück, um Zeichen und Antworten zu erhalten, wie sich das neue Jahr entwickeln würde und wie sie darauf einwirken könnten. Und auch so können wir die Rauhnächte dazu nutzen, unseren wahren Seelenwünschen bewusst zu werden und als seelisch-geistige Wesen unsere Zukunft schöpferisch zu gestalten, indem wir uns fragen, wie wir zukünftig wirken wollen.

Die Rauhnächte als die Zeit zwischen den Jahren

Ich habe mich immer wieder gefragt, woher dieser Sprachgebrauch „zwischen den Jahren“ kommt. Nun, das Sonnenjahr dauert ca. 365 Tage (365,24219 Tage, um genau zu sein), während zwölf Mondzyklen nur aus 354 Tagen besteht (ein Mondzyklus dauert im Mittel etwa 29,5 Tage). Es fehlen also noch elf Tage bzw. zwölf Nächte, um das Sonnenjahr zu beenden. Schon jeher hatte man diese Differenz als die zeitlosen Nächte und die Begebenheiten in diesem Zeitraum als Vorboten des neuen Jahres betrachtet. Dies ist an einem markanten Punkt geknüpft: die Wintersonnenwende.

Alles beginnt mit der Wintersonnenwende

Am 21.12. eines Jahres scheint das Dunkle für einen Moment das Licht zu verschlucken, denn es ist der Zeitpunkt der längsten und dunkelsten Nacht. An diesem Tag steht die Sonne an ihrem tiefsten Punkt, verweilt dort für drei Tage, um dann das Licht wieder in unsere Regionen zu bringen. Es ist gerade so, als würde sie auf ihrer Reise für einen Moment innehalten, um alten Ballast abzulegen und Kraft zu tanken, um dann umso schöner wieder zu erstrahlen und uns das Licht in unser Leben zu bringen. Diese Wiedergeburt wird auch als Julfest gefeiert. Und auch wir sind aufgefordert, der Sonne gleichzutun und uns zu fragen, was wir im neuen Jahr in die Welt hineintragen wollen.

Von Region zu Region ist der Beginn der Rauhnächte unterschiedlich. Manche fangen bereits mit der Thomasnacht an der Wintersonnenwende an. Doch da der endgültige Wendepunkt für die Geburt des Lichts erst mit Heiligabend erreicht ist, starten viele erst in der Nacht auf den 25. Dezember. Es folgen dann zwölf Tage bzw. Nächte, an denen Rauhnachts-Rituale abgehalten und besondere Bräuche gelebt werden. Gerade Rituale und Symbole sind sehr wirksame Kräfte, die Menschen, Umwelt und Ereignisse stark beeinflussen können. Doch dazu mehr zu einem anderen Zeitpunkt.

„Auch wenn wir dieses Mysterium, das wir jedes Jahr wiedererleben, feiern, wird sich nichts verändern, wenn das Licht nicht auch in uns eingeht und wir uns von innen her erneuern und in die Unsterblichkeit unserer geistigen Natur und unseres Seins erwachen.“
(Ruland 2016, 34)

Die Vorbereitung auf die Rauhnächte

Ich weiß, wie hektisch es für viele Menschen vor Weihnachten ist. Beruflich sollen noch einige Kunstgriffe erledigt und die Quartalszahlen rechtzeitig erfüllt werden und so manches, was im Laufe des Jahres begonnen wurde, erzeugt innerlich den Druck, dies dann doch noch zu Ende zu bringen. Privat ist es nicht viel besser: Einkäufe wollen erledigt werden, die große Frage der Geschenke steht im Raum und es will geplant sein, wer wie wo an welchen Tagen zu Besuch kommt.

In unserer modernen Gesellschaft haben wir es durch diesen Trubel geschafft, Umstände zu kreieren, die uns davon abhalten, uns nach innen zu wenden. Damit haben wir uns von unserem inneren Wesen und von der Natur abgeschnitten. Durch die Rauhnächte und die Weihnachtszeit haben wir nun die Chance, dies wieder zu ändern und gleichsam achtsamer und bewusster in das nächste Jahr zu starten.

Sehe das Folgende bitte nicht als ein Muss oder eine Pflicht, sondern als Anregungen und Inspirationen, dir selbst eine schöne Zeit zu bereiten.

Es ist die Zeit, um Altes loszulassen und in Frieden zu kommen

Zunächst einmal geht es darum, in deinem Leben Ordnung zu schaffen:

  • Entmülle und löse dich von Gegenständen, die nicht mehr gebraucht werden.
  • Räume auf und reinige durch Räucherung die Wohnräume, Haus und Hof.
  • Gib Geliehenes zurück, bezahle alle offenen Rechnungen und begleiche die Schulden, soweit es dir möglich ist.
  • Erledige noch alle wichtigen Arbeiten, ebenso alle Einkäufe und bringe Angefangenes zu Ende.
  • Spreche dich mit Menschen aus, mit denen du noch in Konflikt bist und schließe mit ihnen Frieden.

Werde innerlich ruhig, komm in Harmonie mit dir selbst und deinem Leben:

  • Fahre den Medienkonsum herunter, ebenso die Kontakte nach außen.
  • Bringe dich selbst in Balance und sorge für Entspannung, zum Beispiel indem du meditierst.
  • Überlege, was du loslassen und mit womit du noch in Frieden kommen möchtest.
  • Mache eine Jahresbilanz und söhne dich mit der Vergangenheit aus.
  • Löse Unklarheiten auf.

Wir haben die Chance, zum Wohle aller eine schöne Zukunft zu gestalten

Die Zeit der Rauhnächte ist auch eine Zeit für die Planung deiner Zukunft:

  • Bedanke dich bei den Menschen, die dich begleitet haben – vielleicht auch mit einem Geschenk.
  • Halte schon einmal die erste Vorschau auf das kommende Jahr, indem du dir überlegst, was für dich im Leben wesentlich ist.
  • Was möchtest du im neuen Jahr erreichen und in die Welt tragen?

Wir können uns mit dem Höherem verbinden

Richte dir einen schönen Ritualplatz ein, der es dir ermöglicht, die Tage zu zelebrieren:

  • Suche dir einen Platz, an dem du dich behaglich fühlen kannst und zur Ruhe kommst.
  • Baue dir einen „Altar“ auf mit Kerzen und allem, was dich inspiriert, z.B. Klangschale, Amulette und Talisman etc.
  • Besorge dir Räucherwerk. Gerade das Räuchern unterstützt die Transformation und hilft, über das Innere Kontakt zu den höheren Sphären herzustellen.
  • Suche dir schon einmal beruhigende oder meditative Musik aus und lege dir ein Traum-/Tagebuch mit einem Stift zurecht. Es ist ein alter Brauch, die Träume der Rauhnächte und die Tagesgeschehen zu interpretieren.
  • Wenn du so etwas hast, dann kannst du auch Orakel-, Engels- oder Tarotkarten zurechtlegen und jeden Tag eine Karte ziehen.

Die Rauhnächte als eine Zeit der Rituale

So manches ist sicherlich Aberglaube, anderes ist wiederum ein schöner Brauch und stärkt uns innerlich. Entscheide bitte für dich selbst, indem du nach innen hörst, was für dich für die Begehung der Rauhnächte stimmig ist:

  • Fehlende Knöpfe an Kleidungsstücken etc. sollen im Vorfeld ersetzt werden, um Geldverlust zu vermeiden.
  • Während der Rauhnächte sollen die Räder stillstehen, also nicht Bettwäsche wechseln, Wäsche waschen, keine Haare und Nägel schneiden etc.
  • In den Nächten sei es nicht erlaubt, mit Karten oder um Geld zu spielen.
  • Türen sollen leise geschlossen werden.
  • Dinge, die in dieser Zeit herunterfallen, sollen auf Pech und Verlust im neuen Jahr hinweisen. Doch es gibt auch die Möglichkeit, dies am 28.12. und am 5.1. wieder zu korrigieren, indem du für die Naturwesen Speise und Milch vor die Türe stellst.

Und zuletzt möchte ich noch auf mögliche Rituale hinweisen:

  • Träume, die wir in den Nächten haben, sollen sich in den kommenden Monaten erfüllen. Zur Erinnerung daran dient das Traumtagebuch, in dem du alles notieren kannst. Ebenso alles, was sich an den Tagen ereignet, kann zur Interpretation der Zukunft herangezogen werden, wie zum Beispiel das Wetter.
  • Mit dem Ritual der 13 Wünsche kannst du leichter deine Ziele manifestieren.
  • Es ist eine gute Zeit, um Kontakt zum Göttlichen und zur feinstofflichen Welt aufzubauen. Hierdurch kannst du deine Energie anheben, sodass du besser deine Seelenaufgaben und Lebensthemen aufspüren und Visionen erhalten kannst.

Ich freue mich, wenn ich dich mit diesem Artikel inspirieren konnte, dieses Jahr ebenfalls die Rauhnächte zu zelebrieren. Im Internet findest du zahlreiche Informationen zu den einzelnen Ritualen. Ich selbst begleite die zwölf Rauhnächte mit Anregungen und Fragen zum Reflektieren auf meinem Telegram-Kanal. So hast du die Möglichkeit, tiefer zu gehen und dich besser auf das neue Jahr einzustimmen. Der Kanal und die Beiträge sind kostenlos und du bist herzlich willkommen. Hier ist der Zugang dazu: https://t.me/RoswithaFuerst .

Literatur: Ruland, Jeanne 2016: Das Geheimnis der Rauhnächte. Ein Wegweiser durch die zwölf heiligen Nächte. 18. Auflage. Darmstadt.

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